Gesänge von Sonne, Mond und Sternen

Der Erlanger Chor „Vocanta“ gab ein Konzert mit A-cappella-Werken in Herrieden

03.04.2017

HERRIEDEN – Sternstunden, Geistesblitze und zündende Ideen sollte man haben, wenn man auf dem Gebiet der Kunst etwas Großes, etwas Einzigartiges schaffen will. Benjamin Britten ist das mit seinen Kompositionen gelungen. „Erscheine allen Musikern in Visionen und inspiriere sie“, so wird die Schutzheilige der Musik in Brittens „Hymn to St Cecilia“ angerufen. Dieses und andere A-cappella-Werke waren am Sonntag beim Konzert des Erlanger Chors „Vocanta“ unter der Leitung von Joachim Adamczewski in der Stiftsbasilika in Herrieden zu hören.

„Am Anfang war das Licht.“ Unter diesem Motto steht das anspruchsvolle Programm, das fast ausschließlich Kompositionen aus dem 20. Jahrhundert umfasst. Das allein ist schon eher ungewöhnlich, viel ungewöhnlicher aber ist das für einen Laienchor absolut erstaunliche Feingefühl für dynamische Schattierungen, homogene Klangerzeugung und textliche Ausdeutung. 2016 wurde „Vocanta“ mit dem Kulturpreis der Stadt Erlan- gen ausgezeichnet.Für Aaron Coplands Motette „In the Beginning“ hat das seit über 30 Jahren bestehende Ensemble mit Mezzosopranistin Laura Baxter eine erfahrene und als Muttersprachlerin ohnehin prädestinierte Solistin an seiner Seite. Baxters warme, höhensichere Stimme fügt sich flexibel in den Chorklang ein, tritt eindringlich aus ihm hervor und reicht das Wort wieder weiter. Es entsteht eine eindrucksvolle Interpretation dieser vertonten Schöpfungsgeschichte.„Cantico delle creature“ des tschechischen Komponisten Petr Eben hat den Sonnengesang des Franz von Assisi als Textgrundlage. Um die hohen technischen und musikalischen Anforderungen eines solchen Werks zu bewältigen, ist bei der Probenarbeit viel Disziplin nötig. Den Sängern von „Vocanta“ gelingt es aber darüber hinaus, das spürbar zu machen, was der Sonnengesang eigentlich ist: ein Loblied auf die Schöpfung. Ebenso wie in „Silence and music“ von Ralph Vaughan Williams und in Brittens „Hymn of St Cecilia“ legt „Vocanta“ mit einem schwebenden Piano-Schluss Zeugnis einer blitzsauberen Intonation ab.Effektvoll und facettenreich – hier wird nicht nur gesungen, sondern auch geflüstert, gesummt und gesprochen – ist Michael Ostrzygas „Iuppiter“. Auch das ist ein Loblied, bei dem der Planetengigant mit gigantisch vielen Namen (Iuppiter Caelestis Fulgurator Victor Lucetius...) besungen wird.Das letzte Stück des Abends, „Stars“ von Ēriks Ešenvalds, ist das einzige mit Begleitung. Die Instrumente sind mit Wasser gefüllte Gläser, die durch jeweils unterschiedliche Wassermengen und durch Reiben am Glasrand verschiedene Tonhöhen erzeugen. Über der sanft-getragenen Chormelodie meint man, das Glitzern der Sterne hören zu können. Da kann man schon Gänsehaut bekommen. Und das ganz bestimmt nicht nur von den niedrigen Temperaturen im Kirchenraum.

Corinna Bickel